Häufig gestellte Fragen rund um die Weiterbildung

Wie ist die Idee zu dieser Weiterbildung entstanden?

Wir haben uns als Dozent*innen gefragt, von welchen Themengebieten Menschen profitieren könnten, die in der (teil-)stationären und ambulanten pädagogischen Arbeit der Jugendhilfe tätig sind. Unsere jahrelangen Erfahrungen in diesem Arbeitsfeld haben gezeigt, dass pädagogische Fachkräfte mit den alltäglichen Herausforderungen umgehen können, wenn sie zunächst Kenntnisse aus dem systemischen Denken und Handeln anwenden können. Darauf aufbauend profitieren sie von einem soliden Grundwissen sowie dem Wissen und der Umsetzungsfähigkeit vielfältiger Methoden aus der Systemischen Traumapädagogik. Darüber hinaus beinhaltet das pädagogische Arbeiten immer wieder Fragestellungen aus dem Themenbereich Gewalt – und zwar aus drei Perspektiven: Es muss der Blick auf die Betroffenen und deren Folgen von Gewalt genauso existieren, wie die Wahrnehmung und das Wissen um die Täter*innendynamiken. Zudem ist es notwendig, sich darüber im Klaren zu sein, welche Folgen Gewalt für das ganze System mit sich bringt. Dabei erscheint es uns wichtig, zwischen körperlicher und sexualisierter Gewalt zu unterscheiden.

Was sind die Besonderheiten der Systemischen Traumapädagogik?

Die Systemische Traumapädagogik setzt nicht ausschließlich beim von einer Traumatisierung betroffenen Individuum an, sondern beschäftigt sich zusätzlich damit, welche Auswirkungen die Traumatisierung auf das System hat. Darüber hinaus betrachtet sie auch die Wechselwirkung zwischen Individuum und System sowie den Einfluss der Haltungen in der Gesellschaft und den Institutionen, in denen jungen Menschen mit Traumafolgestörungen leben. Außerdem legt die Systemische Traumapädagogik Wert darauf, sich nicht nur mit dem Zeitraum auseinanderzusetzen in dem die Traumatisierung stattgefunden hat, sondern auch die Zeit vor und vor allem nach der Traumatisierung in den Blick zu nehmen. Denn welche Folgen traumatische Erlebnisse für ein Individuum haben, hängt insbesondere davon ab, was es nach der Traumatisierung an Unterstützung oder Destabilisierung innerhalb seines Systems erlebt.

Körperliche und sexualisierte Gewalt sind zentrale Themen im zweiten Teil der Weiterbildung – was lernen die Teilnehmenden hier genau?

In beiden Bereichen ist es wichtig, über solide Grundkenntnisse zu verfügen. Das Thema Gewalt hält im Arbeitsalltag zahlreiche Herausforderungen bereit. Gewalt verursacht Betroffene – da ist es wichtig zu wissen, welche Folgen Gewalt für diese Menschen im Einzelnen haben kann und wie diese Personen im pädagogischen Alltag aufgefangen und begleitet werden können. Die Wunden der Gewalt verheilen oft im sensiblen und behutsamen Umgang im Alltag.

Gewalt wird von Tätern und Täterinnen ausgeübt – da ist es wesentlich die Funktion des gewalttätigen Handelns zu verstehen. Wozu wird die Gewalt eingesetzt, welche Bedürfnisse werden damit scheinbar befriedigt? Wie lassen sich gewalttätige Menschen motivieren ihr Verhalten zu verändern? Welcher konfrontativen und gleichzeitig wertschätzenden Haltung bedarf es im Alltag, um mit diesem Personenkreis effizient und im Rahmen des Opferschutzes pädagogisch sinnvoll arbeiten zu können? Um diese Fragen zu beantworten, betrachten wir sowohl, bei der körperlichen als auch bei der sexualisierten Gewalt,verschiedene Täter- und Deliktgruppen. Gewalt hat immer auch Auswirkungen innerhalb des System des Gewaltausübenden und der betroffenen Person. Gewalt hat eine Funktion im System. Um gewalttätiges Verhalten durch konstruktives Verhalten zu ersetzen, ist es wichtig die Bedeutung der Gewalt innerhalb des Systems zu verstehen.

Welche Besonderheiten bringen die Dozent*innen mit sich?

Alle Dozierenden sind Praktiker*innen. Sie bringen viele Jahre Erfahrung sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Arbeit mit. Jeweils zwei therapeutisch und zwei pädagogisch arbeitende Dozenten*innen sorgen für das Gleichgewicht beider Bereiche und tragen ihren Teil dazu bei, dass in dieser Weiterbildung gelingende Wege der Kooperation zwischen Pädagogik und Therapie beschrieben werden. Drei der vier Coaches haben jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit gewalttätigen Menschen – im pädagogischen und im beraterischen Kontext. So gelingt es sowohl die Hintergründe der Betroffenen als auch die der Gewalt ausübenden Menschen zu vermitteln.

Wie ist der Anteil von Theorie und Praxis in der Weiterbildung aufgeteilt?

Der Grundsatz innerhalb der Weiterbildung besteht darin, so viel Theorie wie notwendig in den einzelnen Themenbereichen zu vermitteln und gleichzeitig ein breites Spektrum von Methoden anzubieten, damit das erlernte Wissen in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden kann. Das Einüben von Methoden und das sich Ausprobieren in der praktischen Umsetzung haben einen hohen Stellenwert.

Warum wird die gesamte Weiterbildung von zwei Dozent*innen begleitet?

Ein Grund dafür ist, dass neben der Theorie, ein hoher Praxisanteil diese Weiterbildung prägt. Damit die Teilnehmenden einen maximalen Gewinn beim "sich Ausprobieren" haben, ist es sinnvoll, dass zwei Dozenten*innen anwesend sind. So profitieren die Teilnehmenden vom direkten Feedback. Innerhalb der Weiterbildung setzen wir zudem stark auf die persönliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden, so dass es immer wieder Selbsterfahrungsanteile gibt, die ebenfalls effektiver und behutsamer von zwei Personen begleitet werden können.

Warum ist es wichtig Supervision im Rahmen dieser Weiterbildung anzubieten?

Supervision ist ein wichtiger Bestandteil dieser Weiterbildung, denn die Teilnehmenden sollen im Laufe der zwei Jahre ihren Kenntnisgewinn immer wieder in die Praxis transferieren. Von daher benötigen sie auf diesem Weg Fallsupervision, um sich und ihre Arbeit reflektieren zu können. Weitere Fragestellungen, die mit der persönlichen Auseinandersetzung und individuellen Weiterentwicklung einhergehen, können im Rahmen der Supervision begleitet werden.

Wozu bedarf es Intervisionsgruppen?

Üben, üben und üben. Damit Methoden wirklich im Alltag angewandt werden, müssen sie immer wieder geübt werden. So entstehen Zeit und Raum für gegenseitiges Feedback in der praktischen Übung. Darüber hinaus können persönliche Fragestellungen in diesem Rahmen, innerhalb eines kollegialen Kreises, reflektiert werden.

Gibt es am Ende ein Zertifikat?

Nach erfolgreichem Abschlusskolloquium besteht die Möglichkeit ein Zertifikat zu erwerben. In dem Zertifikat werden explizit die Inhalte und praktischen Anwendungen aus den einzelnen Blöcken beschrieben, so dass die Vermittlung der jeweiligen Kompetenzen deutlich wird.

 

 

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